Ja, ich träume!

Kürzlich besuchter ich ein Lebensmittelgeschäft und bewunderte die wunderbare Früchte- und Gemüseauslage. Dabei erinnerte ich mich an unsern Besuch von meiner Freundin aus Amerika. Sie war davon total hingerissen: So schöne gesunde Früchte und Gemüse, die so liebevoll präsentiert werden, hatte sie zu Hause noch nie gesehen! Es war schwierig für mich, mir vorzustellen, wie es denn in den amerikanischen Supermärkten so aussieht. Sie erzählte mir, dass dort viele faule oder überreife Gemüse und Früchte lieblos zum Verkauf angeboten werden. Dann machte sie ein paar Fotos, um sie ihren Freundinnen zu Hause zu zeigen. Sie hätten es sich sonst nicht vorstellen könnten. - Vielleicht hatten die Amerikaner nicht von so einer schönen Auslage geträumt und so kam es auch nicht dazu. Aber jetzt gibt es ein paar Menschen mehr dort, die wissen, dass es möglich ist und denen es gefällt Und wer weiss, was dann vielleicht geschieht?

 

Ich bewunderte immer noch all die vielen Früchte und Gemüse aus der ganzen Welt. Wir können sie das ganze Jahr über kaufen – auch wenn es bei uns gar wächst oder nicht Erntezeit ist. Dann hatte ich die Idee: Es muss genug Menschen gegeben haben, die lange genug vom Schlaraffenland auf Erden geträumt haben und sich vorstellten, wie schön es wäre, wenn man auch im Winter mal Erdbeeren essen könnte – einfach weil man Lust drauf hat. Oder die davon geträumt haben, dass man ein umfassende Menge von Nahrungsmitteln in einem Geschäft in der Nähe kaufen kann. Alles Träume, die vor wenigen Jahrzehnten noch im Bereich des Unmöglichen lagen und sicher als Phantasie von kritischen Mitmenschen abgetan worden sind.

 

Hand aufs Herz – es gibt viele Dinge, die heute normal sind und die bis vor relativ kurzer Zeit z.B. bis vor 30 Jahren unvorstellbar waren. Zum Beispiel: Dass wir heute mit dem Flugzeug in die Ferien fliegen können. Dass wir via Internet von zu Hause aus jede Information finden können. Oder dass wir überall erreichbar sein können, wenn wir das wollen. Das sind nur ganz wenige Beispiele. Sie beweisen, dass das heute als unmöglich Erscheinende in wenigen Jahren möglich sein kann - wenn genug Menschen davon träumen.

 

Letzte Woche hatte ich überraschenderweise Verstärkung für eine meiner Visionen erhalten: Ich habe in den Medien gelesen, dass zurzeit Unterschriften für die Initiative „Für ein bedingungsloses Grundeinkommen“ gesammelt werden. Obwohl die Frist noch bis am 1. Oktober dauert, sind schon 130’00 Unterschriften zusammen gekommen. Da es 100‘000 Unterschriften braucht, damit die Initiative vors Volk kommt, werden wir darüber abstimmen können. Das heisst, dass sich jede/r Stimmbürger und –bürgerin damit auseinander setzen wird. Der Artikel fühlte sich für mich so an, als wäre der Autor über die grosse Unterstützung erstaunt.

 

Ich war ehrlich gesagt auch überrascht. Bis jetzt hatte ich nur über Facebook von solchen Ideen, die in Deutschland herum gingen gehört und ich hatte das Gefühl, dass nur wenige Menschen von einer Welt träumen, in der es die Angst seine Existenz sichern zu können nicht mehr gibt. Denn heute drängt die Existenzangst uns zu allen möglichen qualvollen Taten. Ein Beispiel:

Täglich an eine Arbeitsstelle zu gehen und einen Job zu tun, den man hasst oder den man zwar gerne tut aber der viel zu streng ist und einem dauernd an oder über seine Belastbarkeitsgrenzen treibt oder wo das Arbeitsklima oder die Stimmung unter den Mitarbeitenden mies ist.

Und warum tut man sich das an? - Weil uns die Existenzangst im Griff hat und uns im Hamsterrad hält. Das sitzt so tief wie eine Hypnose. Oft ist es so, dass wenn man sich nur ein wenig davon befreien möchte, sofort die Existenzangst sagt: Das ist unmöglich! Der Verstand sucht dann vielleicht noch nach einer Lösung, um es machbar zu machen. Aber er findet nichts, weil er ja hypnotisiert ist. Also lässt man davon ab und redet sich gut zu und geht wieder zurück ins Hamsterrad. Wer kennt das nicht? - Das ist schockierend, aber wenn ich meine eigenen Erfahrungen und Beobachtungen anschaue, dann ist es wahr.

 

Es gibt noch ein anderes sehr tief sitzendes und verbreitetes Glaubenssystem, das auch ich in mir trage und gewählt habe mich davon zu lösen: Geld kommt nur von Arbeit. Oder: Die eigene Existenz kann nur durch Arbeit gesichert werden.

 

Zum Glück konnte ich mich schon früh von einem anderen Glaubenssatz befreien: dass Arbeit kein Vergnügen ist und auch vor dem Vergnügen kommt. Ich dachte mir schon in meinen jungen Jahren: Wenn ich schon arbeiten muss, dann will ich unbedingt eine Arbeit haben, die ich liebe. Und ich will sie unter Bedingungen erbringen können, die mir entsprechen. Deshalb hatte ich jedesmal die Stelle gewechselt, wenn mir der Job langweilig wurde oder ich über- oder unterfordert war. Heute tue ich das, was ich liebe. Unteranderem begleite ich auch Menschen auf ihrem Weg zur Verwirklichung ihren persönlichen Visionen. Der Weg dahin war auch für mich nicht einfach, aber ich bin ihn gegangen und gehe ihn immer wieder. Jeder macht das auf seine ganz persönliche Art und das ist für mich total spannend mitzuerleben.

 

Ich sagte mir damals auch, dass ich nicht lebe um zu arbeiten - das ist ein weiterer sehr verbreiteter Glaubenssatz - sondern dass ich arbeite, um zu leben.

 

Jetzt wage ich von einer Welt zu träumen in der Geld keine Macht mehr hat. Es ist mir klar, dass das nicht so einfach und schnell gehen wird. Doch ich bin bereit mich auf das Ungewisse und die Umstellungen ein zu lassen. Ein Grundeinkommen ist einer der Wege dorthin. Es würde unseren Arbeitsmarkt total verändern und mehr Kreativität zulassen. Das wäre sehr spannend und ich hätte wirklich Lust das mitzuerleben.

 

Sicher gibt es auch noch andere Wege dahin: Ich träume schon lange von einer Welt in der jeder das tut, was er gerne tut und so oft und so viel, wie es sich für ihn stimmig anfühlt. Ich glaube, dass dies erheblich zur Volksgesundheit beitragen würde. Oft werde ich in Gesprächen gefragt: Und wer putzt dann noch die WCs? Nun, ich bin sicher, dass es jemanden gibt, der das gerne tut. Schliesslich ist es eine Arbeit, bei der man einen Vorher/ Nachher-Effekt hat. Und ich hatte es als ich 20 Jahre alt war, eine Zeit lang gerne gemacht. Das kann sehr befriedigend sein.

 

Aber natürlich habe ich keine Pauschallösungen. Visionäre müssen das nicht haben, sonst wären sie keine Visionäre. Es geht vielmehr darum, überhaupt mal zu wagen, davon zu träumen. Die Menschen, die vielleicht vor 500, 100 oder 50 Jahren davon geträumt haben, das ganze Jahr über genug Nahrungsmittel kaufen zu können, wussten ja auch nicht, wie das überhaupt funktionieren könnte. Und trotzdem: Es ist wahr geworden. Ich glaube, weil es genug Visionäre gab, die davon zu träumen wagten.

 

Ich finde es schön, mich über meine Vorstellungen hinweg in eine Welt, die es heute noch nicht gibt hinein tragen zu lassen. Und da wir in einer Zeit leben in der Entwicklungen in einer noch nie dagewesenen Schnelligkeit stattfinden, freue ich mich auf alle - heute vielleicht noch utopischen - Veränderungen, die ich erleben werde!

 

Und von was träumst du? Was sind deine Visionen für unsere Welt für unser Leben?

 

Ursula Keller, 31. Juli 2013

www.wohl-sein.ch

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